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„Ihr seid das Licht der Welt!“

Predigt zu Matthäus 5,14-16 in der Baptistengemeinde Linz am 23.1.2026.
Im Rahmen des ökumenischen Gottesdienstes des Forum christlicher Kirchen Oberösterreich in der Weltgebetswoche für die Einheit der Christ:innen.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Liebe Schwestern und Brüder,
ich darf euch ausrichten: „Ihr seid das Licht der Welt!“ Das sage nicht ich, nein, das sagt Jesus: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Nicht ihr werdet das Licht der Welt sein, nicht ihr sollt das Licht der Welt sein, nein: ihr seid es jetzt schon!

„Ihr seid das Licht der Welt!“ Das bedeutet auch: Nicht ich bin es. Nicht du bist es. Nicht er, nicht sie alleine, nein: wir gemeinsam sind das Licht der Welt. Gemeinsam ist uns zugesprochen in dieser Welt zu scheinen und zu leuchten.

Licht durchbricht die Finsternis. Licht lässt uns besser sehen. Licht bringt Klarheit und Wahrheit. Welche Wahrheiten ans Licht kommen, wenn wir Jesus nachfolgen, wird bei Matthäus einige Verse zuvor angedeutet:

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Jesus beschreibt Grundhaltungen, die den Kindern Gottes zuzumuten sind und die Licht in die Welt bringen: Sanftmut, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Einsatz für den Frieden und ein gereinigtes Herz. Darin dürfen wir uns einüben: Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Wenn wir diese Grundhaltungen untereinander üben und auch anderen gegenüber einnehmen, dann sind wir miteinander „Licht der Welt“.

Wenn ich mich in unseren Kirchen umschaue, dann sehe ich, dass in den Gemeinden und christlichen Gemeinschaften ganz viel davon praktiziert wird. Sonntag für Sonntag feiern wir Gemeinschaft in den Gottesdiensten; am Leben der Christinnen und Christen dürfen alle teinehmen – niemand ist ausgeschlossen; Kirche ist ein Ort wo Trauer, Angst, Verzweiflung Platz haben, wo aber auch Freude, Hoffnung, Zuversicht spürbar werden; Menschen in Not wird in den Gemeinden unkompliziert geholfen; Caritas, Diakonie und andere christliche Liebeswerke organisieren Hilfe für Kranke, Alte, Fremde, Bedürftige.

Wir sind das Licht der Welt – das ist vielerorts zu sehen und zu spüren. Da wir gemeinsam leuchten, macht es auch nichts, wenn der eine oder die andere einmal versagt; wenn der einen oder dem anderen einmal die Luft ausgeht; wenn der glimmende Docht der Gottes- und Menschenliebe manchmal erlischt. Denn gemeinsam sind wir „Licht der Welt“ und das trägt auch die, deren Kraft versagt und die an dieser Welt verzweifeln.

Wenn wir in den Kirchen, in der Ökumene, in der ganzen Christenheit unser Licht nicht unter einen Eimer stellen, nicht nur in unseren eigenen Kreisen leuchten, sondern unser Strahlen hinaustragen in die Gesellschaft, in die Welt, dann bringen wir allen Menschen Hoffnung, Zuversicht, Liebe.

Das bedeutet aber auch, dass wir uns einmischen sollen: wenn Menschen ungerecht behandelt werden; wenn Ressourcen ungleich verteilt werden; wenn Frieden gebrochen und Unfrieden gesät wird. Das bedeutet auch, dass wir das Licht in die dunklen Ecken unserer Welt scheinen lassen, damit Ungerechtigkeit sichtbar, Unbarmherzigkeit entlarvt und Friedlosigkeit vertrieben wird.

Christ und Christin sein erschöpft sich nicht im Gebet und im Feiern des Gottesdienstes unter unseresgleichen; Christin und Christ sein ist sich nicht selbst genug und bleibt nicht bei der Lektüre der Bibel und bei der Liebe zu Gott stehen. Christsein bedeutet auch, sich einzulassen auf Gottes geschundene Schöpfung, auf ungerechte Verhältnisse, auf Menschen in ihrer Vielfalt und die Grundhaltungen Jesu im eigenen Leben zur Geltung zu bringen.

Lassen wir uns vom Licht Christi anstecken und nehmen wir Jesus beim Wort, der sagte „Ihr seid das Licht der Welt“. Dann werden wir „sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“

Amen.

Published inPredigten

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